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"Leerstelle_Reflexion" in einer „Wunde der Stadt“

Über 700 Menschen bei Gedenkveranstaltung auf Synagogenplatz

Kaiserslautern, 09.11.2018

Mit einer rund 25-minütigen Installation des Künstlers Ingo Bracke gedachte die Stadt Kaiserslautern gestern der Reichsprogromnacht, mit der vor genau 80 Jahren die systematische Verfolgung und Vernichtung jüdischen Lebens in Deutschland durch die Nationalsozialisten begann. Zuvor hatten Christoph Dammann, Direktor des städtischen Referates Kultur, sowie Eugen Smotritsky von der jüdischen Kultusgemeinde Pfalz und Kulturminister Konrad Wolf an die Bedeutung der Synagoge in Kaiserslautern und das millionenfach erlittene Leid des jüdischen Volkes erinnert.

„Leerstelle – Reflexion“ hatte der international anerkannte Kaiserslauterer Installationskünstler Bracke seine temporäre audiovisuelle Arbeit zur Zerstörung der Kaiserslauterner Synagoge getauft, die musikalisch untermalt zuerst auf zwei konventionellen Leinwänden zu sehen war, bevor ihre Bilder auf zwei aus Wasser gestalteten Wänden zu Formen verschmolzen.

Als „Leerstelle“ und „Wunde, die in unserer Stadt geschlagen wurde und eine tiefe Narbe hinterlässt“ bezeichnete Christoph Dammann in seiner Ansprache auch den Synagogenplatz. Reflexion sei notwendig, um in die Zukunft zu führen. Dabei erinnerte der Kulturamtsleiter an die fast unvorstellbaren Ereignisse des 09. und 10. November 1938, die so unglaubliches Leid über tausende Mitbürgerinnen und Mitbürger brachten. In Kaiserslautern fiele das heutige Gedenken aber besonders schwer, weil die jüdische Synagoge den neuen Machthabern und ihren amtlichen Gewaltaktionen schon vor der großen Pogromwelle zum Opfer fiel. „Am 27. August 1938 konnte sich die Gemeinde hier zum letzten Gottesdienst versammeln, bevor wenige Tage später der Abriss begann“, so Dammann. Mehrere Sprengungen seien notwendig gewesen, um bis zur letzten Sprengmaßnahme am 09. Oktober das einzigartige, jahrzehnte stehende  Bauwerk an diesem Platz zu vernichten.

Eugen Smotritsky von der jüdischen Kultusgemeinde Pfalz dankte den über 700 Anwesenden für ihr Kommen, um anläßlich des 80. Jahrestags der Reichsprogromnacht der Opfer des schrecklichen Geschehens zu gedenken. Die damaligen Übergriffe seien „tief durchdacht, sorgfältig geplant und rücksichtslos ausgeführt worden“, unterstrich Smoritski. Aus der systematischen Verleumdung der Juden sei deren Verfolgung und schließlich Vernichtung geworden. „Der Jüdischen Gemeinde bedeutet das heutige Gedenken viel“, unterstrich er, bevor Michael Katz zum Gebet „Kaddisch“ um das Seelenheil Verstorbener auf Hebräisch und Deutsch aufrief.

Auch Kulturminister Konrad Wolf, der aus Mainz angereist war, erinnerte an die unzähligen Opfer des Nazi-Terrors, die „entrechtet, gedemütigt, vertrieben und ermordet“ wurden. Die gezielte Zerstörung der Kaiserslauterner Synagoge reihe sich in den Kontext der unzähligen Gewaltexzesse, die sich in der Reichsprogromnacht ereigneten. Aber nicht nur das jüdische Volk, auch sein Jahrtausende altes Kulturgut wurde vernichtet. Denn die Nationalsozialisten wollten das jüdische Leben in Deutschland und seine langen Traditionen „dem Vergessen anheim fallen lassen“. Dies sei nicht gelungen und markiere einen „kleinen Triumph“ der Geschichte. Wie Wolf unterstrich, seien Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit nie und nirgendwo auf der Welt tolerierbar. Im Hinblick auf die Installation Brackes meinte er, die zeitgenössische Kunst könne einen wertvollen Beitrag leisten, um das, was physisch nicht mehr existiert, in Erinnerung zu rufen.

Brackes kurzzeitige Erinnerungsskulptur aus Wasser und Klang, Projektionen und Licht war eine Veranstaltung des städtischen Referates Kultur mit Unterstützung der SWK und der städtischen Feuerwehr auf Anregung der langjährigen Bürgermeisterin Susanne Wimmer-Leonhardt. Anläßlich des 80. Jahrestags der Reichsprogromnacht und der Zerstörung der Kaiserslauterner Synagoge ist im Stadtmuseum (Theodor-Zink-Museum I Wadgasserhof) auch eine Ausstellung zu sehen. Sie trägt den Titel  „‘Zierde ihrer Stadt‘ – Die Synagoge von Kaiserslautern (1886–1938)“ und stellt die wechselvolle Geschichte des jüdischen Gotteshauses vor. Außerdem wird es am Sonntag, 11. November, 16:00 Uhr, ebenfalls im Stadtmuseum ein besonderes Kammerkonzert zu „Wiederentdeckungen verfemten Kulturguts“ geben. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung, die in Zusammenarbeit mit dem Referat Kultur erfolgt, ist frei.

 



Autor/in: Sandra Zehnle - Pressestelle
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