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    23. Mai. 2018
Das Pfaff-Gelände
Ein Blick in die Geschichte des Pfaff-Fabrikgeländes

Die Anfänge und Entwicklungen

Das Gelände der ehemaligen PFAFF-Fabrik lag zur Zeit seiner ersten Bebauung am westlichen Stadtrand von Kaiserslautern. 1896 verlagerte der Gründer des Pfaff-Unternehmens Georg Michael Pfaff nach und nach seine Produktionsstätten an diese Stelle, um seine Fabrik zu erweitern und von dort Nähmaschinen in alle Teile der Welt zu exportieren. Begonnen hatte alles Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Reparatur einer „Wundermaschine“ aus Amerika, die Pfaff wieder zum Laufen brachte und die das Nähen anstatt mit der Hand mit einer Maschine bewerkstelligen konnte.  
Der gelernte Blasinstrumentenmacher war von der neuen Maschine so beeindruckt, dass er begann, solche Maschinen selbst herzustellen und zu verkaufen. Damit waren er und seine Mitarbeiter*innen so erfolgreich, dass sein Sohn, Georg Pfaff, der die Fabrik nach dem Tod seines Vaters 1893 übernahm, gute 10 Jahre später die einmillionste Nähmaschine herstellte. Aus einer kleinen Werkstatt war eine Fabrik entstanden, die bereits Anfang des letzten Jahrhunderts 1.250 Arbeiter*innen und gut hundert technische und kaufmännische Angestellte beschäftigte.
Im Laufe der Jahrzehnte ist Kaiserslautern gewachsen und das Fabrikgelände liegt nun mitten in der Stadt. Die wechselhafte Geschichte des Unternehmens im Laufe der Jahrzehnte mit Erfolgen und Misserfolgen führte schließlich dazu, dass an diesem Ort heute keine Nähmaschinen mehr gebaut werden. Das Gelände liegt brach, die Gebäude sind zum Teil verfallen und zeigen deutliche Spuren sowohl ihres Gebrauchs als auch des Leerstands.

 

Architektur erzählt Industriegeschichte

Das PFAFF-Areal ist stark geprägt durch die verschiedenen Bauphasen in der Geschichte der Pfaff-Werke. Das älteste Gebäude auf dem Areal ist die ehemalige Gießerei, die 1896 fertiggestellt wurde. Die meisten Hallen auf dem Gelände wurden Anfang des 20. Jahrhunderts eingeschossig errichtet, um das Verladen der Ware zu erleichtern. Ein werkeigenes Gleissystem verband die verschiedenen Gebäude. Trotz dieser für die Zeit fortschrittlichen Neuerungen legte das Unternehmen bei der Architektur in erster Linie Wert auf die Zweckmäßigkeit der Gebäude. Eine innovative und fortschrittliche Architektur, die auf Außenwirkung und Werbung bedacht war, fand in der ersten Bauphase keine große Beachtung. In den 1930er Jahren entstand mit der Vergrößerung der Fabrik und guten Konjunkturlage das sechsstöckige Verwaltungsgebäude, ein imposanter Stahlskelettbau, das auch heute noch existiert.
1944 wurde aufgrund der Bedeutung in der Waffenherstellung das Fabrikgelände bombardiert und ca. 60% der Bausubstanz zerstört. Nach dem Wiederaufbau wurde in den 1950er Jahren ein neues Verwaltungsgebäude errichtet und das charakteristische Eingangsportal, die Pförtnerloge, gebaut. In den 1970er Jahren entsteht ein neues Ausbildungszentrum auf dem Gelände. So zeugen die verschiedenen Gebäude einerseits von der Unternehmensgeschichte, andererseits erzählen sie auch von verschiedenen Stilepochen und über Produktionsweisen und Veränderungen in der Arbeitswelt.
Nicht nur die Architektur prägt das Gelände: neben den Gebäuden gibt es auch andere sichtbare und unsichtbare Spuren, welche die Geschichte des PFAFF-Areals erzählen. So wurde sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg die Produktion auf Rüstungsgüter umgestellt und während des Zweiten Weltkriegs wurden Zwangsarbeiterinnen bei Pfaff beschäftigt. Davon ist heute nichts mehr sichtbar, dennoch gehört auch dieser Teil der Geschichte zum „Industrieerbe“, die das Gelände darstellt.
Andere unsichtbare Spuren, die nicht auf den ersten Blick ins Auge fallen, sind die Belastung des Bodens und des Grundwassers. Zu der Zeit, als das Fabrikgelände entstand und das Unternehmen wuchs, gab es zum Teil nur unzureichendes Wissen und wenig Bewusstsein über die Spätfolgen einer starken industriellen Nutzung für die Umwelt. Außerdem wurde bei der ersten Bauphase große Mengen Abbruchmaterial aufgeschüttet, um den Boden für die Bebauung nutzbar machen zu können.
Die industrielle Nutzung hat zur Folge, dass große Mengen an Schadstoffen in den Boden und Teile der Gebäude gelangt sind, deren Beseitigung große Schwierigkeiten und finanzielle Herausforderungen mit sich bringt.

 

Das PFAFF-Areal heute

Seit Aufgabe der Produktion an dieser Stelle und dem Leerstand des Geländes stellt sich die Frage, wie mit dem ehemaligen PFAFF-Areal umgegangen werden kann. Nach verschiedenen Szenarien und kontroversen Diskussionen um das Gelände hat sich die Stadt entschlossen, das Areal für eine Entwicklung zu sichern und trotz aller Risiken und Schwierigkeiten zu erwerben.
Sie möchte an dieser Stelle die Entstehung eines neuen Stadtquartiers befördern, in dem unterschiedliche Nutzungen möglich sein sollen: Wohnen, Arbeiten, Forschen und Dienstleistungen sollen zusammengebracht werden und das jetzt brachliegenden Gelände mit Leben füllen.
Im April 2016 tritt die Quartiersentwicklung in die nächste Phase ein. Bis zum September 2016 wird in einem Beteiligungsverfahren ein Kriterienkatalog zur Entwicklung des neuen Stadtteils erstellt. Wie Sie mitmachen können, erfahren Sie hier.

Kontakt
PFAFF-Areal-Entwicklungsgesellschaft mbH Kaiserslautern (PEG)
Rathaus Nord
Lauterstraße 2
67657 Kaiserslautern
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PFAFF-Areal-Entwicklungsgesellschaft mbH Kaiserslautern (PEG)
Rathaus Nord
Lauterstraße 2
67657 Kaiserslautern