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Biologische Phänomene und politisches Handeln

Vortrag von Oberbürgermeister Dr. Klaus Weichel im Kaiserslauterer Jahr der Wissenschaft
Keinen wissenschaftlichen Vortrag, dafür aber einen Ausflug in die faszinierende Welt der Biologie, der immer wieder Beziehungen zur real existierenden Politik herstellte, erlebten die Zuhörerinnen und Zuhörer gestern Abend in der Fruchthalle. Im Rahmen der Vortragsreihe zum Kaiserslauterer Jahr der Wissenschaft referierte Oberbürgermeister Dr. Klaus Weichel über das Thema „Bionik – Taugen biologische Konstruktionsprinzipien auch für die Politik?“. Dabei ging der Rathauschef und promovierte Biologe - oft mit einem Augenzwinkern - auf Verbindungen zwischen einigen biologischen Phänomenen, Konstruktionsprinzipien und Gesetzmäßigkeiten mit dem tagtäglichen politischen Handeln ein.

Am Beispiel des Kanarienvogels, der ihn in seiner wissenschaftlichen Laufbahn während seiner Diplomarbeit und Dissertation begleitete, erläuterte Dr. Weichel, wie Hormone das Gesangsverhalten und die Lernfähigkeit dieses Tieres beeinflussen. „Der Kanarienvogel kann lebenslang neue Verhaltensmuster lernen und scheut sich nicht, Gutes von seinen Konkurrenten anzunehmen.“ Zudem könne er sich sehr flexibel auf neue Situationen einstellen und sei damit ein wünschenswertes Modell und „Wappentier eines dauerhaft lernwilligen Politikers!“ Auch einen Feldhamster könne er sich gut als Wappentier vorstellen, meinte der Oberbürgermeister. Angesichts der Haushaltssituation frage er sich beispielsweise als Finanzdezernent regelmäßig, wie ein Vorräte anlegender und weitsichtig für den Winter planender Feldhamster dieses Problem lösen würde. „Der Hamster legt in Zeiten des Überflusses Vorräte an, spart und investiert dann, wenn die Ressourcen knapp werden.“

Die Wissenschaft der Bionik, die die Bau- und Konstruktionsprinzipien der Natur erforscht und sie für hochmoderne technische Produkte kopiert, erklärte der Oberbürgermeister anhand einer Libelle und eines Hubschraubers. Die Beobachtung des Libellenfluges und des Bauprinzips der Libellenflügel hatte Leonardo da Vinci vor 500 Jahren ein Fluggerät konstruieren lassen, das sehr viel später schließlich zur Entwicklung des Hubschraubers und dem Bau sehr stabiler Flugzeugflügel führte. Das Konstruktionsprinzip der Stromlinienform, das heißt ohne große eigene Anstrengung möglichst schnell voranzukommen, sei seiner Meinung nach für die Politik weniger geeignet, äußerte der Oberbürgermeister. „Die Menschen wollen profilierte Erkennbarkeit und Kanten - klar erkennbare Konturen!“

Bei seinem weiteren Spaziergang durch die Biologie übertrug der Rathauschef auch das Grundprinzip des Lotusblüteneffektes auf die Beschaffenheit einer Politikeroberfläche und diskutierte, wie die optimal beschaffene „Politikerhülle“ aussehen müsste. Für einen bodenständigen Politiker stehe auch das Wappentier des Gecko, der trotz der unglaublichen Haftungskräfte an seinen Zehen gleichzeitig eine hohe Mobilität besitzt. „Politiker sollten bei allem, was sie tun, nie die Haftung verlieren und den gesunden Menschenverstand walten lassen“, bilanzierte Dr. Weichelt. Weniger für einen Politiker eignen würde sich dagegen das biologische Konstruktionsprinzip des Tarnens, des Vortäuschens nicht vorhandener Eigenschaften. Dieses käme beim Hornissenschwärmer, einer harmlosen Schwebfliege, die die Zeichnungen einer Hornisse trägt, vor. Auch das Chamäleon, der Inbegriff des physiologischen Farbwechsels, was politisch übersetzt für einen ständigen Gesinnungs- und Meinungswechsel steht, „ taugt nicht zum Wappentier eines Politikers.“

Als ganz wichtiges biologisches Konstruktionsprinzip bezeichnete der promovierte Biologe die Diversität, unter der man in der Ökologie die Variabilität und Vielfalt des Lebens versteht. Als Beispiel für ein hoch spezialisiertes System mit hoher Biodiversität nannte Dr. Weichel den tropischen Regenwald. „Das Schaffen von Vielfalt ist ein evolutives Grundprinzip, das zur Stabilität von Systemen beiträgt.“ Diversität sei daher auch eine politisch umsetzbare Strategie, ein absolutes Muss und ein tragendes Prinzip. „Diversität ist das Zulassen und Schaffen von Vielfalt, das Tolerieren von religiösem, ethnischem, politischem, weltanschaulichem, kulturellem und sexuellem Anderssein, immer im Bewusstsein, dass Gleichwertigkeit nicht Gleichartigkeit voraussetzt.“ Schließlich sei das Akzeptieren von Diversität die Voraussetzung für eine durch und durch humane Gesellschaft, die Verschiedenheit als Bereicherung für Weiterentwicklung erlebt und keine Ausgrenzung toleriert. „Sie ist auch Bedingung für eine humane und respektvolle Integrationspolitik und eine Gleichstellungspolitik, die die Verschiedenheit der Geschlechter akzeptiert.“
Kaiserslautern, 08. Oktober 2009

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