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„Gegenwart und Zukunft können ohne die Vergangenheit nicht existieren“ – Kaiserslautern erinnert an die Opfer des NS-Regimes

„Wir gedenken nicht nur der Kaiserslauterer Opfer, sondern aller Opfer in dieser Welt, die auf grauenhafte Weise ihr Leben lassen mussten“, sagte Beigeordneter Günter Remler bei der Gedenkfeier auf dem Synagogenplatz am 27. Januar 2005. Seit 1996 erinnert dieser Gedenktag an den Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch sowjetische Truppen im Jahr 1945. Zum 60. Jahrestag des Gedenktages ist im Rathaus eine Ausstellung mit Bildern des KZ Auschwitz zu sehen. Im Anschluss an die Gedenkfeier auf dem Synagogenplatz eröffneten Ober-bürgermeister Bernhard J. Deubig und der Vorsitzende der Jüdischen Kultusge-meinde, Michael Tsenteris, die Ausstellung. „Diese Bilder machen sprachlos, aber sie zeigen auch, dass wir in Kaiserslautern nicht vergessen werden“, erklärte Ober-bürgermeister Deubig.
Viele Kaiserslauterer Bürger nahmen an der Gedenkfeier auf dem Synagogenplatz teil und erinnerten sich, zusammen mit der Stadt Kaiserslautern und der Jüdischen Kultusgemeinde, an das dunkelste Kapitel Deutscher Geschichte. „Gedenke, vergiss es nicht“, forderte Manfred Erlich, Geschäftsführer der Jüdischen Kultusgemeinde, die Bürger auf, ihre Erinnerungen wach zu halten und nicht zu verdrängen. Dass man sich zu erinnern hat, bekräftigte Remler, der auf die schlimmen Taten der Nazis in Kaiserslautern aufmerksam machte. In seiner Ansprache erinnerte Remler daran, das vor dem Jahr 1933 in Kaiserslautern 738 jüdische Mitbürger gelebt hatten, nach dem Krieg nur noch 25. Diese Fakten seien Dokumente der Gräueltaten des Nationalsozialismus in Kaiserslautern. Er erinnerte auch an die Zerstörung der Synagoge, die am 17. September 1938 von Mitgliedern des NS-Regimes gesprengt wurde. Schüler des Rittersberg-Gymnasiums und der Barbarossa-Schule nahmen ebenfalls an der Gedenkfeier teil, trugen einen Psalm vor und legten rote Nelken am Mahnmal nieder. „Auch das ist ein Zeichen dafür, dass wir nicht vergessen und auch nicht vergessen werden, was damals geschehen ist“, so Remler, „Gegenwart und Zukunft können ohne die Vergangenheit nicht existieren.“

„Es gibt keine Worte, die das beschreiben können, was damals passiert ist“, sagte Oberbürgermeister Deubig bei der Eröffnung der Ausstellung im Rathaus-Foyer. Gezeigt werden hier erschütternde Bilder aus dem KZ-Lager Auschwitz. Auch Schüler des Rittersberg-Gymnasiums beteiligten sich an der Ausstellung. Sie stellten auf zwei Tafeln dar, wie Kinder, Jugendliche und Babys in den KZs grauenvoll gequält und ermordet wurden. Zwei der Schülerinnen verlasen das 6. Flugblatt der Geschwister Scholl, die unermüdlich gegen das NS-Regime aufriefen. Dieses Enga-gement zeige, dass die Jugendlichen sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen und helfe, die Wiederholung solcher Gräueltaten zu vermeiden, so Erlich von der jüdischen Kultusgemeinde.

Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkveranstaltung auf dem Synagogeplatz von Lucy Diener-Reisdorff (Querflöte) und im Rathaus von Nelli Berditchevskaia (Violi-ne).
Autor/in: Sandra Janik
Kaiserslautern, 28. Januar 2005

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