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Dieter Schnebel 80! / Extra-Konzert

Geburtstagskonzert in Kooperation mit SR2 Kulturradio
18:00 Uhr, Apostelkirche
Sa., 13.11.2010
Datum:13.11.2010
Uhrzeit:19:00 Uhr
Ort:Apostelkirche
Kontakt:
Referat Kultur

Preis: 10,00 Euro, ermäßigt 8,00 Euro
Vorverkauf / Anmeldung: Tourist-Information, Fruchthallstr. 14, Tel. 0631 365-2316
Telefon: 0631 365-1410
Telefax: 0631 365-1419
Programm:

Komposition und Performance: Dieter Schnebel
Tobias Naumann-Rothe, Orgel
Katharina Rasinski und Christian Kesten, Stimmen
(vom Ensemble 'Die Maulwerker', Berlin)
BiancoQuartett und Gustav Rivinius, Violoncello
Dozenten der Emmerich-Smola-Musikschule der Stadt Kaiserslautern
(Beate Comtesse-Laux, Monika Waldmann, Barbara Ecker, Gerlinde Engelhardt, Heidrun Schweitzer, Roland Weimer, Barbara und Paul Punstein
Moderation: Wolfgang Korb


Dieter Schnebel (*1930)
SCHULMUSIK. Erfahrungen 2 - 'Stuhlgewitter'
Toccata mit Fugen für große Orgel
'Visible Music' für einen Dirigenten und einen Instrumentalisten
'Kafka-Dramulette'
Neues Werk für Streichquintett - Uraufführung
(Auftragswerk von "Spektrum Villa Musica" im Rahmen von "Netzwerk Neue Musik", ein Förderprojekt der Kulturstiftung des Bundes)

Franz Schubert (1797-1828)
Streichquintett C-Dur D 956


Dieter Schnebel, der seit den 1970er Jahren in Berlin lebende Komponist, Musikwissenschaftler, Pädagoge, Hochschullehrer und evangelische Theologe wurde am 14. März 2010 achtzig Jahre alt. Und dieses Jubiläum gilt es auch in Kaiserslautern zu feiern. Von 1956 bis 1963 wirkte Schnebel hier als Pfarrer und schrieb in dieser Zeit seine ersten großen Werke, die ihn als Komponisten weltbekannt machten. Darunter auch die "Glossolalie", die das exquisite Berliner Vokalensemble "Die Maulwerker" in diesem Konzert aufführt, ein zungenbrecherisches Stück, das größte Musikalität verlangt und fürs Publikum viele spannende Überraschungen bereithält. Weitere Werke Schnebels (inklusive einer Uraufführung) und das von ihm überaus geliebte Streichquintett Schuberts garantieren ein unvergessliches Ohrenabenteuer.


Biographien

Dieter Schnebel wurde am 14. März 1930 in Lahr/Baden geboren. Auf ein Studium an der Freiburger Musikhochschule 1949 bis 1952 (an der Universität Vorlesungen bei Martin Heidegger) und engen Kontakt zu den Kranichsteiner (heute Darmstädter) Ferienkursen für Neue Musik folgten evangelische Theologie (Beeinflussung durch Karl Barth, Rudolf Bultmann), Philosophie (Lektüre von Ernst Bloch) und Musikwissenschaft (Walter Gerstenberg, Promotion über Die Dynamik bei Schönberg) in Tübingen. Daran schloss sich eine Pfarr- und Lehrertätigkeit in Kaiserslautern, Frankfurt a. M. und München an. Nach dem Tod der ersten Frau Camilla heiratete Schnebel 1970 Iris von Kaschnitz.
1976 wurde eigens für ihn eine Professur für experimentelle Musik und Musikwissenschaft an der Hochschule der Künste (HdK) in Berlin eingerichtet, die er bis zur Emeritierung 1995 inne hatte. Seine Tätigkeit als Theologe setzt Schnebel durch Predigttätigkeit an der Johann-Sebastian-Bach-Kirche in Berlin-Lichterfelde fort. Es entstehen kirchenmusikalische Kompositionen (Für Stimmen missa est, Magnificat, missa brevis, Bearbeitung von Bach-Chorälen, Orgelwerke), zuletzt für den Kirchenpavillon der EXPO 2000 und die documenta 2001.
Durch die Gründung der Theatergruppe "Die Maulwerker" systematisierte Schnebel sein nur teils auf den "Fluxus" (visible music, reactions, Anschläge-Ausschläge) zurückzuführendes, offenes Werkkonzept, in dem Musiker in unkonventionellem Einsatz ihrer Instrumente und Stimmen zu Aktionen im Raum aufgefordert sind. Es entstehen die Zyklen Maulwerke, Schulmusik, Laut-Gesten-Laute, Museumsstücke, Schaustücke. Von der seriellen Musik wandte sich Schnebel nach dem frühen Zyklus "Versuche" (Analysis, Stücke, Fragment, Compositio) ab. Die mit deren Krise einhergehende Kritik einer emphatischen Werkästhetik überwindet er erst in den Zyklen Re-Visionen, Tradition, ferner in den auf die griechische Mythologie verweisenden Kammermusikwerken der Reihe Psycho-Logia. Zu den Schlüsselwerken der letzten Jahre zählen Missa, Sinfonie X, Majakowskis Tod Totentanz.
1991 wurde Dieter Schnebel mit dem Lahrer Kulturpreis ausgezeichnet. 1999 verlieh ihm die Stadt Schwäbisch Gmünd den erstmals vergebenen Preis der Europäischen Kirchenmusik. Der Komponist ist Mitglied der Akademie der Künste Berlin (seit 1991) und der Bayerischen Akademie der Künste (seit 1996). Er verfasste zahlreiche musikwissenschaftliche Publikationen, u.a. zu Weberns Variationen op. 27, zu Franz Schubert und zuletzt Giuseppe Verdi.

Tobias Naumann-Rothe, *1976, Kirchenmusikstudium in Saarbrücken und Frankfurt mit dem Abschluss Diplom A-Kirchenmusiker. Seit Herbst 2008 Organist an der Protestantischen Apostelkirche Kaiserslautern. Konzertorganist mit regelmäßigen Auftritten in Deutschland und Frankreich. Liedbegleiter, Kammermusiker und Dozent am
kirchenmusikalischen Seminar Lauterecken. Von ihm sind vier CDs erhältlich.

Die Maulwerker, in der aktuellen Formation seit 1993 existent, gelten als Spezialisten in den Schnittmengen von Musik und Theater, Musik und Sprache, in der Durchdringung von Musik und Raum, von Klang und Stille. Sie zeigen international ihr Repertoire der Klassiker der Neuen (Vokal-) Musik und des Experimentellen Musiktheaters - wie Schnebel, Cage, Kagel, Fluxus ... - sowie zunehmend auch die Arbeiten mit jungen KomponistInnen, HörspielautorInnen, KlangkünstlerInnen und RegisseurInnen.
Die Maulwerker kommen aus den unterschiedlichsten künstlerischen Bereichen wie Gesang, Schauspiel, Komposition, Performance, Instrumentalspiel, Bühnenkostüm und Regie. Alle Maulwerker haben im Rahmen ihrer breitgefächerten Ausbildung Experimentelle Musik bei Dieter Schnebel studiert. So darf Schnebel durch die Vermittlung sowohl seiner eigenen Musik als auch der John Cages und der Fluxus-Bewegung als geistiger Vater des Ensembles gelten. Alle Maulwerker sind neben ihren Aktivitäten im Ensemble auch solistisch tätig und verstehen das Ensemble als einen Zusammenschluss einzelner Künstlerpersönlichkeiten.
Die Maulwerker spielten u.a. bei Maerz-Musik Berlin (2006), Musica Viva München (2005/08), Festival UltraSchall Berlin/ Deutschland-Radio (2006), Festival Stimme+ ZKM Karlsruhe (2006), KKL Luzern (2006), Bone-Festival Bern (2008), Theater Basel (2006), Theater Mannheim 2007, Festival Jeunesse, MUMOK Museum Moderner Kunst Wien (2005), Festival Klangraum/Raumklang Köln 2004, TESLA im Podewils’sches Palais Berlin (2005-07), Fridericianum Kassel (2001), Akademie der Künste Berlin (2000/04/08), Musiktage Donaueschingen (2001)

Das ENSEMBLE VILLA MUSICA hat sich in der Musikwelt einen Namen als führende Kammermusikvereinigung gemacht. Seit 1988 fasziniert das Ensemble Presse und Publikum durch die Vielfalt seiner Möglichkeiten. Denn hier musiziert die Crème de la Crème der deutschen Instrumentalisten. Namen wie Martin Ostertag, Ulf Rodenhäuser, Rainer Kußmaul, Nicolas Chumachenco und Kalle Randalu sprechen für sich. Sie alle sind heute ausschließlich als Solisten, Kammermusiker und Professoren an den renommiertesten deutschen Musikhochschulen tätig, nachdem sie zuvor an den ersten Pulten großer Orchester wie der Berliner Philharmoniker gewirkt haben.
In ihrer gemeinsamen Arbeit verfolgen sie zwei Ziele: den Einsatz für den musikalischen Spitzennachwuchs und die Entdeckung vergessener Perlen der Kammermusik. Die Nachwuchs-Förderung geschieht im Auftrag Stiftung Villa Musica, die dem Ensemble seinen Namen gab. Diese Kammermusikstiftung des deutschen Bundeslandes Rheinland-Pfalz gibt in einer eigenen Akademie und in mehr als 150 Konzerten jährlich Musikstudenten die Chance, mit den Mitgliedern des Ensemble Villa Musica gemeinsam zu proben und aufzutreten.
Die Entdeckung kammermusikalischer Raritäten schreiben sie sich in ihren Konzerten und Einspielungen auf die Fahnen. Sie gastierten bei bedeutenden Festivals und in großen Kammermusik-Reihen. Ihre mehr als 30 CDs bei dem deutschen Label Dabringhaus und Grimm wurden mit Preisen und Höchstwertungen der internationalen Kritik förmlich überschüttet. Dreimal wurde das Ensemble mit dem EchoKlassikPreis ausgezeichnet, jüngst 2002 für die Gesamtaufnahme der Streichquintette von Mozart. Ansonsten liegen seine Schwerpunkte eher fern des gängigen Repertoires. Jeweils eine CD widmeten sie französischen Komponisten von Fauré bis Milhaud, tschechischen Komponisten von Fibich bis Klein, Zeitgenossen wie Penderecki und Kirchner. Aufnahmeserien galten der Kammermusik von Hindemith (Gesamteinspielung des Sonatenwerks u.a.), von Spohr, von Richard Strauss, Hans Wener Henze und den Quintetten von Mozart. Das Repertoire wird ständig erweitert - in Verbindung mit den Projekten der Villa Musica. Seit 2002 verfügt das Ensemble über ein eigenes Festival im Barockschloss Engers am Rhein, ein Kammermusik-Wochenende an Pfingsten.

 
 

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